Wo fang ich an zu erzählen? Der Blog hier ist ja kein Reiseblog mehr, wir sind keine Reisenden mehr. Vielmehr haben wir ein Zuhause in unserer (Markos und meiner) alten Heimat gefunden und sind jetzt sowas wie sesshaft. Wenngleich auch immer noch mit einer gehörigen Portion Fernweh.

Und wir haben Heimat geschenkt – unserem, seit Südafrika mit uns reisenden Bauchzwerg. Löwe oder Antilope? Wer fehlte noch in unserem Team?

Am 27. Oktober hatte ich so ein Gefühl…
Wir waren noch neun Tage vor dem Geburtstermin. Am Nachmittag dieses Tages war eine der Hebammen hier bei uns zuhause, um sich mit den Gegebenheiten vor Ort vertraut zu machen und mit uns abzusprechen, was noch benötigt würde und bereit gestellt werden sollte. Wir sprachen über Geburtsorte, über Optionen für die Kinder während der Geburt, nächtliches Türklingeln durch die kommenden Hebammen (bzw. eben besser nicht) und so weiter.
Die Badewanne, hier das überaus komfortable Modell “Eckbadewanne”, blieb mein Wunschort. Wegen der Kinder machte ich mir auch keine Sorgen, denn unsere Großen sind zwischenzeitlich so groß, dass es keiner zusätzlichen Betreuung ihrer bedürfen würde. Und Bennett ist in ihrer Mitte immer gut aufgehoben.
Alles war soweit besprochen und fühlte sich bereit an. Da dachte sich unser Zwerg wohl, dass länger Warten jetzt auch nix mehr bringt. Ich hatte ja bereits besagtes Gefühl, dass es nicht mehr lang dauert und spekulierte schon auf den 30.10.20 als hübschen Geburtstermin, aber das war wohl doch viel zu fern und zudem zu nah an Halloween und wer will schon sein Leben lang Gruselpartys mit Süßem oder Saurem feiern.

So trug es sich also zu, …

…dass ich am Morgen des 28.10. kurz vor 3 Uhr die ersten Wehen hatte, die ernst genommen werden wollten. Und mit dem Wissen darum, dass sich Wehen in der Badewanne entweder beruhigen oder verstärken, ließ ich mir warmes Wasser ein. Wie schon bei vorhergegangenen Ereignissen dieser Art, legte sich Marko ins Bett, als ich aufstand. Schnell wenigstens noch ein bisschen schlafen. Wer weiß, wann er wieder dazu kommen würde.

Viertel vor fünf saß ich noch immer in der Wanne – die Wehen waren stärker geworden und zwischenzeitlich war klar, dass aus dem 30. nix wird. Die Wehenabstände waren bei drei/vier Minuten und irgendwie schaffte ich es, eine solche Pause zu nutzen, um Marko Bescheid zu sagen, dass er den Hebammen-Notruf absetzen soll. Dieser ging um 4.58 Uhr ab, während ich schon wieder in der Wanne saß (so ausgiebig hab ich in den letzten 14 Jahren nicht gebadet). Kurz nach halb sechs waren die beiden Hebammen da und dann passierte alles in der fünffach erprobten Reihenfolge: die Wehen wurden stärker, die Fruchtblase platzte und zwei Wehen später, um 6.01 Uhr, schaute uns jemand mit großen Augen aus dem Wasser heraus an. Marko entdeckte ES sofort. Ein kleiner Löwe. Jungspapa 6.0. sag ich nur, der weiß, worauf er achten muss.

Danach hatten wir unsere ersten Augenblicke miteinander (während auch die Plazenta noch geboren wurde). Weil das Zeitgefühl in diesem ganzen Prozess irgendwann davonfliegt, kommt es mir im Nachhinein kurz vor, aber ich glaube, es waren fast anderthalb Stunden, die wir noch so im Bad verbrachten. Die Hebammen erledigten ihre Schreibarbeiten, versorgten den Zwerg und mich mit warmem Wasser/warmen Tüchern oder kaltem Wasser zum Trinken und bereiteten alles vor, dass ich mein Bade beenden konnte.

Während wir noch im Bad waren, kam Bennett, der bis zu diesem Zeitpunkt in unserem Bett geschlafen hatte, an die Badtür, schaute verwirrt rein, wunderte sich und beschloss dann, zu Valentin ins Bett zu gehen und weiterzuschlafen. Dort hatte er schon vorher die eine oder andere Nacht verbracht und so war es ein vertrauter Ort bei seinem – wie eine Hebamme ihn nannte – Ankerbruder Valentin. Passender hätte ich es auch in den folgenden Tagen nicht ausdrücken können.
So konnte ich von den Hebammen noch final versorgt werden, hab mich mit großem Appetit über drei Käsebrote hergemacht und als die Jungs aus dem Dachgeschoss runter kamen, war die Überraschung groß über die unerwartete Verwandlung von Bauch in Bruder. Ein Fakt übrigens, der sie alle sehr glücklich machte, hatten sie sich doch einstimmig einen kleinen Bruder gewünscht.

Am Nachmittag kam meine Cousine zum schon im Vorfeld für diesen Nachmittag verabredeten Halloween-Basteln. Es entstanden Gespenster, Leuchtkürbisse, Grusellichter und eine Halloween-Lichterkette. Das Lachen aus dem Erdgeschoss verriet mir, dass alle großen Spaß hatten und am Abend wurden auch wir im Schlafzimmer mit Deko versorgt. Dann kam die Oma noch dazu und versorgte alle mit Dönern. Ich bekam einen mit Falafel und hatte den tatsächlich interessantesten Einstieg in meine Wochenbettzeit. Bei Nummer sechs ist keine Schonkost mehr angesagt 😉 Es hat keine Auswirkungen gehabt…

Die nächsten Tage nutzte jeder, um in seinem Tempo mit dem kleinen neuen Familienmitglied in Kontakt zu kommen. Und das war tatsächlich sehr unterschiedlich. Fast jeder kam mal vorbei und ging wieder. Nur Bennett nahm das vorbei kommen wörtlich. Er rief zunächst nur “Hallo” aus dem Flur und lief schnell weiter. Nach zwei Tagen schaute er dann auch mal rein und nochmal zwei Tage später nahm er Tuchfühlung auf. Er prüfte dann, ob alles an so einem Baby dran ist und war höchst fasziniert von dem Bauchnabel. Und dann kam der Durchbruch – ich durfte ihm wieder ein Buch vorlesen und er legte sich einfach zu uns. Damit war unsere alte Freundschaft wieder hergestellt und eine neue begann zu entstehen. Heute ist sein kleiner Bruder auch sein Freund.

Was dem kleinen Freund allerdings noch einige Zeit fehlte, war ein Name. Was taten wir uns schwer. Unsere Listen wurden länger, aber der Durchbruch ließ auf sich warten. Dann, am fünften Tag war er gefunden – ein Wunschname von mir, einer von Marko und ein Hauch von Afrika:

Leonard Tillmann

Willkommen in den Herzen deiner großen Familie, kleiner afrikanischer Leo-Löwe!

2 Kommentare

  1. Hallo liebe kleine/ große Familie,

    Ich wünsche Euch und dem neuen Erdenbürger alles, alles gute auf dieser zurzeit verrrückten Welt…….und bleibt alle gesund. Vielleicht geht es ja wieder mal auf Reisen wenn wir Corona frei sind.
    Herzliche Grüße
    Brigitte u. Horst Ludwig

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