…und manchmal auch der Osterhase kommt.

Puh, ganz schön viel für einen Tag. Große Pläne, traditionsschwere Erwartungen, heimliche Wünsche. Und als wir am Samstag in Rio Lagartos starteten, wussten wir noch nicht einmal, wo wir am nächsten Tag sein werden.

Die erste Idee war es, eine nahegelegene Cenote anzusteuern und dort vielleicht für zwei Nächte zu bleiben. Cenoten sind tiefe Kalksteinlöcher, die durch den Einsturz von Höhlendecken entstanden und mit Süßwasser gefüllt sind. Viele von ihnen laden zum Baden ein und bieten oft ein spektakuläres Licht-Wasser-Höhlen-Schauspiel, vor allem, wenn man den Zeitpunkt erwischt, zu dem die Sonne durch die Öffnung in der Höhlendecke direkt ins Wasser scheint. Für die Maya sind die Cenoten heilige Quellen. Sie bedeuten den Zugang zur Unterwelt, liefern Trinkwasser und waren (sind) Orte für heilige Rituale. Hier auf Yucatan gibt es tausende davon – ein großes unterirdisches Höhlennetz, das noch nicht vollständig erschlossen ist.

Dazu ist es vielleicht auch interessant zu wissen, dass Yucatan überhaupt erst in den 1960er Jahren soweit erschlossen und an Zentralmexiko angeschlossen wurde, dass die Entwicklung von Ballungsräumen beginnen konnte. Vormals gab es lediglich kleine Fischerdörfer. Erst 1970 wurde Cancun – das heute immerhin auf Rang 27 der meistbesuchten Städte weltweit liegt – gegründet. Das erklärt, dass es noch viel Forschungsarbeit braucht, um mehr über die Geschichte der Halbinsel und ihre Geheimnisse zu erfahren.

Aber zurück zum Ostersamstag…
Wir steuerten also die Cenote Acancun Azul bei Panabá an. Laut unserer App gab es immer wieder Reisende, die dort auch über Nacht gestanden haben. Das wollten wir prüfen. Der erste Anblick war nicht vielversprechend, was die Übernachtung betrifft. Lediglich ein sonniger Parkplatz – bei aktuell knapp 40 Grad im Schatten – offenbarte sich uns. Wir mussten also erstmal ins kühle Nass springen, um einen kühlen Kopf für Entscheidungen zu bekommen. Das wiederrum war ein grandioses Erlebnis, bei dem unsere Kinder über sich selbst hinausgewachsen und von der Plattform in fünf Meter Höhe gesprungen sind – die vier großen, versteht sich…

Danach war es Marko, der meine innere Not erkannte und beschloss, dass wir weiterfahren – 50 Kilometer zum Centro Anahata in Ek Balam. Er wusste, dass wir noch Ostereier färben wollen, dass ich an meinem Geburtstag nicht fahren möchte und das der Osterhase ja mindestens ein paar Büsche oder schattige Astgabeln braucht, um ein paar Geschenke zu verstecken. All das wäre an diesem Ort nicht gegangen. Und es war das größte Geschenk, das er mir machen konnte, obwohl auch er zu dem Zeitpunkt noch nicht wusste, was uns in Ek Balam erwartet.

Centro de Anahata Ek Balam

Das meiste über diesen Ort erfuhren wir im Lauf unserer – täglich verlängerten – Zeit auf dem Hof von Christian und Patty und ihren drei Kindern. Eine Summe von vielen Glücksmomenten.

Wir waren bei unserer Ankunft die einzigen Campergäste (es gibt aber auch nur Platz für zwei oder drei Camper), die Gästezimmer waren hingegen mit einigen Ostergästen und auch ein paar Langzeitgästen belegt. Patty und Christian sind Teil der Worldschooling-Community und stellen zweimal im Jahr Programme für Familien zusammen, die über ein bis drei Monate hier am Hof leben, arbeiten und lernen wollen. Dazu gehören auch gemeinsame Mahlzeiten, tägliches Yoga, regelmäßige Aktivitäten mit den noch traditionell lebenden Mayas des Dorfs oder größere Ausflüge in die Umgebung. Momentan läuft kein Programm, aber viele Dinge finden auch in der Ruhephase statt. Irgendwie also ein Ort für uns.

Wir bauten auf und begannen umgehend mit der wichtigsten Ostervorbereitung – dem Eierfärben. Damit war meine – wie ich auf unserer Reise erfahren durfte – doch sehr an heimischen Traditionen hängende Seele erstmal beruhigt. Das Osterfrühstück war gerettet.
Über Nacht, wohl, weil es hier tagsüber zu warm ist, kam dann auch der Osterhase und hat seine kleinen Geschenke versteckt. Der Ostersonntag begann also genau nach unser aller Geschmack – Kartenspiele, Strickliesl, Armbändchen und ab und zu ein Stückchen Schokolade oder ein Osterei. Super!

Später kam Patty und lud uns ein, uns den anderen anzuschließen und mit in die Hütte über die Straße zu kommen, um den dort lebenden Frauen zuzuschauen, wie sie Tortillas machen:

  • Mais mit etwas Limettensaft kochen
  • zusammen mit wenig Wasser in einer Mühle mahlen und zu einem Teig vermengen
  • den Teig auf Folie zu kleinen runden Fladen drücken
  • über dem Feuer backen
  • wenn der Tortilla sich aufbläht, ist er fertig und darf zu den anderen auf den Stapel

Probieren durften wir natürlich auch. Lecker!

Wer unseren Blog schon länger verfolgt, kann sich vielleicht erinnern, dass ich, bevor wir nach Mexiko gekommen sind mal geschrieben hatte, dass ich gern lernen möchte, wie Tortillas gemacht werden. Et voilà…jetzt weiß ich’s…

Ein zweiter Wunsch, den ich seit Loretto mit mir rumtrug, war eine hier in Mexiko gewobene, traditionelle Hängematte. Eigentlich sollte sie naturweiß sein, aber als ich hier die Farben sah, bin ich schwach geworden. In Ek Balam, wo die Einwohner in ihren Strohdachhütten alle in Hängematten schlafen, werden diese auf hölzernen Webstühlen von vielen Frauen hergestellt – eine zeitraubende Aufgabe, denn eine Frau schafft im Monat wohl eine Hängematte. Die Webstühle stehen vor den Häusern und daneben hängen die fertigen, leuchtend bunten Hängematten zum Verkauf. Was für ein Glück, mein Geburtstag, dieser Ort, meine neue Hängematte – meergrün-azurblau. Wieder einmal hab ich gelernt, dass Dinge sich fügen, wenn ich geduldig bin und warten kann.

Eine fehlt…
…die hier

Und weil der Tag noch immer Luft für mehr ließ, zeigten uns zwei Frauen noch die traditionelle Herstellung von Trinkschokolade aus Kakaobohnen:

  • Bohnen auf dem Feuer rösten – wenn sie hoch springen, lässt sich die Schale lösen
  • schälen
  • auf einem Mahlblock mahlen (Familienerbstück von der Ur-Ur-Ur-na-ihr-wisst-schon-Großmutter)
  • mit heißem Wasser und einem Süßungsmittel verquirlen und rühren, rühren, rühren
  • Aus den Schalen einer Frucht, deren Namen ich leider vergessen hab, durften wir unsere Chocolate dann genießen. Und das haben wir

Dann war der Tag vorbei. Es ist für mich nach wie vor unglaublich, wie es dazu kam, dass sich all diese Dinge an einem Tag ereignet haben. Er war rundum perfekt.

6 Kommentare

  1. Wie schön, wenn der Geburtstag sich so fügt! Fehlt nur noch ein Bild des Geburtstagskindes in ihrer neuen Hängematte! Alles Gute nachträglich, liebe Franzi! Liebe Grüße von Alex

    1. Liebe Alex, dankeschön für deinen Gruß. Ja, das mit den Fotos ist gar nicht so einfach, wenn ich selbst den „Foto-Hut“ aufhabe. So steh ich halt meist hinter der Kamera…
      Liebe Grüße nach Stuttgart

  2. Liebe Franzi, jetzt habe ich ganz vergessen Dir noch meine herzlichsten Geburtstagswünsche nachträglich zu schicken-alles alles Liebe!!!!!❤️ Ich glaube Du hattest einen wunderschönen Geburtstags-Tag!!!!
    So ne Hängematte hätte ich auch gerne!!
    Fühle Dich umarmt!
    Julia

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *