Lieblingsfotos. Sie erzählen Geschichten. Manchmal eine, manchmal mehrere; sie öffnen sich dem Betrachter oder sie bewahren ihre Geheimnisse, sie zeigen nur einen Teil des großen Ganzen oder sind vollständig und rund. Wenn ihr Lust habt, nehm ich euch mit und…

… erzähle euch die Geschichten, die dieses Foto mit mir teilt. Geschichten, die mein Herz berühren, Geschichten von Südafrika, von Menschen, von Orten…

Entstanden ist dieses Foto am Riverfront Backpackers in Redhouse/ Port Elizabeth. Dem Ort, an dem wir seit Weihnachten leben, lernen und mithelfen und außerdem auf unser Auto warten. Länger als erwartet. Zum Glück, irgendwie.

Es zeigt Sakumzi, einen jungen Mann, der einnehmend fröhlich ist, auch mal Schilder mit Wortwitz anfertigt („bagpacker“ sind nicht etwa die Rucksackreisenden, sondern die Tütenpacker im Supermarkt) und uns aufgrund dessen bekannt ist, dass sein Name in Verbindung mit den Bildern steht, die im Haus ausgestellt sind und zum Verkauf angeboten werden. Bilder, kleine Kunstwerke, die in seinem Atelier entstanden sind. Einem Atelier, das nicht etwa an der Strandpromenade von Port Elizabeth liegt, sondern, welches sich mitten in einem der großen Townships Südafrikas befindet: in Motherwell.

Dort, in der Straße, in der auch eine Tischler-Werkstatt ist, die von Lundi. Als ich das Foto mache, steht Lundi ein Stück neben Sakumzi, ist Teil der Geschichte, aber nicht auf dem Bild. 23 Jahre jung und von Herzen woodworker. Mit ihm hab ich die Gelegenheit, lang über Schule, Leben und Herzensprojekte in einem Township zu sprechen. Darüber, dass auch hier die Träume der Eltern für ihre Kinder oft nicht mit den Träumen der Kinder übereinstimmen. Darüber, dass es in der Schule keine Zeit für Kreativität gibt und das er gegen den Wunsch seiner Eltern seiner Passion gefolgt ist. Darüber, dass Lernen und Verstehen nur über das Herz geht und dass wir als Familie genau deswegen hier sind. Er läd uns ein, ihn in seiner Werkstatt und Ausstellung in Motherwell zu besuchen. Die Gelegenheit dazu werden wir nächste Woche bekommen.

Motherwell liegt ganz in der Nähe von Redhouse vor den Toren von PE und ist mit gut 25 Quadratkilometern knapp kleiner als Nesselwang, unsere Lieblingsstadt im Allgäu. In den 1980er Jahren begann die Besiedlung dieses Gebiets und heute leben wohl über 200.000 Menschen hier (zum Vergleich, in Nesselwang leben 3700 Menschen und drei davon gehören zu unseren Lieblingsmenschen ;-)).
Bei meiner ersten Fahrt nach Motherwell bin ich überwältigt, von den sich bis zum Horizont ausbreitenden Hütten und einfachsten Behausungen, von den vielen Menschen, von den Unmengen Müll, von den Kühen auf dem Fußballplatz. Aber auch von der unglaublichen Wärme und Gastfreundschaft der Menschen, die wir treffen. Wir – Livius und ich, Mark und zwei Volunteers aus Holland – sind hier, um einer Besprechung in „Mummas Soup kitchen“ beizuwohnen. Es geht um Lebensmittel, aus welchen „Mumma“ täglich Suppe für Kinder der Nachbarschaft zubereitet und, es geht um Farbe und Pinsel. Utensilien für das Projekt „Flowers for Africa“. Blumen an den Hauswänden, Beschäftigung für die Kinder, Nahrung für die Seele, Farben für die Zukunft, Lachen für das Leben. Sakumzi ist Teil dieses Projekts, denn, wie er uns später erzählt, ist die Malerei, die Kunst, seit jeher seine Therapie, seine Probleme für den Moment zu vergessen. Und er nimmt Kinder und Jugendliche mit, malt mit ihnen die Trostlosigkeit bunt, unterrichtet sie, gibt ihnen einen Ort, wo sie ihren Geschichten Farben geben können. Auch er folgt seinem Herzen, trägt im Partnerlook mit seinem Bruder Socken mit bunten Punkten, dazu Flip-Flops und einen Pulli mit der Aufschrift „reality“. Ein cooler Typ mit einem so großen Herzen und so reell.

Eng mit mit den Sozialprojekten in Motherwell verknüpft ist Mark, der auf dem Foto auch nicht drauf ist, ohne den Sakumzi aber auch nicht drauf wäre.
Eine vierte Geschichte: Mark ist nicht nur Gastgeber des Riverfront backpackers-Hostels, er ist auch Weltenverbinder. Ökologische Sinnhaftigkeit, Nachhaltigkeit, Moralische Wertigkeit, Ethnische Grundsätzlichkeit. Er stellt sein Handeln infrage, sieht sich selbst nicht als perfekt, sondern als lernend, hat Ideen und Projekte, ist ein Macher und Gestalter und sieht die Dinge gern im ganz großen Kontext. Ich bin immer wieder beeindruckt und lerne viel. Er bringt Dinge zusammen – Volunteers und Projekte, Duschwasser und Gemüsepflanzen, Gäste und Motherwell, Waschmaschine und Fahrrad…

Die fünfte Geschichte. Eine Muskelkraft betriebene Waschmaschine. Radfahren für die weiße Weste und eine bunte Zukunft oder so ähnlich. Vielleicht wäre Minimalismus im Kleiderschrank einfacher, wenn wir unsere Wäsche so waschen müssten. Vielleicht wäre unser Waschmittel ökologischer, wenn wir mit letzter Kraft weniger Spülgänge schaffen und so vielleicht in Kauf nehmen würden, dass es Waschmittelreste in der Wäsche gibt. Vielleicht würden wir das Auto öfter stehen lassen, weil wir aufgrund unserer neuen Fitness mehr zu Fuß oder mit dem Fahrrad erledigen könnten. Vielleicht würden wir in unseren Beinen spüren, was Ressourcenverbrauch bedeutet. Vielleicht.

Und schließlich eine sechste oder siebte oder wer-weiß-wie-vielte Geschichte: meine. Ich habe eine neue Leidenschaft: das Fotografieren. Ich liebe Bilder mit genau solchen Geschichten. Ich liebe mein 50mm-Objektiv für seine unglaublichen Details. Ich liebe das Spiel mit der Kamera. Und ich will noch so viel mehr darüber lernen und verstehen. Deshalb habe ich mir selbst einen Startschuss gegeben und mache jetzt ein 6-monatiges Fotografie-Online-Studium. Dann hab ich eine Basis und werde sehen, was sich daraus entwickelt. Ideen hab ich schon…
Hier schließt sich auch der Kreis. Mark hat mir direkt meinen ersten Auftrag gegeben: Fotos vom Hostel für die Internetseite. Da bin ich grad dran. Und vielleicht hat er mir meinen zweiten Auftrag schon verschafft: die fotografische Begleitung des „Flowers for Africa“-Projekts. Fotos von den Kindern und den Blumen, Fotos für die Kinder, Fotos für mich. Wenn das klappt, ich sag’s euch, dann weiß ich gar nicht wohin mit mir vor Glück.

und noch ein paar Impressionen

7 Kommentare

  1. Hi ihr 7,
    es ist immer wieder toll von Euch zu lesen, wir verfolgen euch natürlich die gesamte Zeit.
    Mittlerweile seid ihr ja noch die einzigen von unserem Dreier Team aus Mexiko, die noch unterwegs sind.
    Wir haben uns so langsam eingelebt in das „bürgerliche Leben“, ist aber irgendwie nicht ganz so einfach, gerade im Winter bei dem Wetter hier.
    Aber das Expeditionsmobil ist schon in Planung und irgendwann geht es wieder los.:-)
    Übrigens klasse Bilder, machen Lust auf mehr.
    Passt auf euch auf und Grüße an alle.
    Anja, Stefan mit Nala und Laika

  2. Liebe Weltenbummler,
    euer Blog ist immer eine willkommene Abwechslung. Das Licht strahlt nur so aus dem Notebook – vielleicht liegt das am Kontrast? Unser Fernweh wird dadurch allerdings nicht besser – im Gegenteil! Wir sind ja schon seit über einem halben Jahr wieder in Deutschland (Münster), aber mit dem Kopf wieder (noch) auf Reisen. Also, reist immer weiter, damit ich immer schön was zu lesen habe!
    Deine Fotos sind übrigens oberklasse, Franzi!
    Liebe Grüße von Ina und family (die mit dem Feuerwehrauto)
    Schade, dass wir uns nur einmal ganz kurz getroffen haben!

  3. Hallo fünf Freunde

    Wir gliedern uns langsam , sehr langsam wieder in das Schweizer Leben ein. Für uns der schwierigste Teil unserer Reise. So sind wir auch immer weider mit unseren Gedanken mal bei euch und natürlich bei allen anderen. Unser Lasti kommt auch schon bald in Hamburg. Lenn und Layla sind happy in der Schule und geniessen die vielen “Gspänli” (Freunde). Euch noch viel Geduld beim Auto abholen und wir sind gespannt wohin euch der Weg führt.
    Und ja die Fotos sind wirklich gut. Du hast ein gutes Händchen für die Motive.
    Und ja Vale muss ja mittlerweile ein Profi-Fischer sein. So viele Fotos mit seiner Angel…

    Grüsse alle von uns Schweizer und geniesst eure Freiheit, Unbekümmertheit, und einfach euch 7.

    Grüessli Frank und Familie

  4. Hallo Franziska und Kolonne, ich denke du kannst den Online Kurs für fotografieren abbrechen. Die Fotos sind jetzt schon super. Grüße aus CB

  5. Lieber Marco, hab’ ich mir das richtig notiert? Du hast heute einen runden Geburtstag ?!🎊🎉🎊🎉🎊🎉🎊
    Wir senden dir die allerbesten Glückwünsche nach Südafrika, wünschen dir alles, alles Liebe und Gute, viel Glück und Gesundheit. Hab’ einen tollen Tag und lass’ Dich feiern🍾💐😘.
    Toll Franzi, das mit deinem Fotografie-Online-Studium. Dass du Spaß am Fotografieren hast, kann man ja schon hier in Eurem Blog sehen und dass Du für besondere Motive ein Auge hast sowieso. Es sind wieder wunderschöne Bilder aber auch Berichte in Euren Beiträge.
    Ihr lieben Sieben, fühlt Euch alle herzlichst umarmt und weiterhin viele schöne Abenteuer und beeindruckende Erlebnisse mit Mensch, Tier und Natur. Macht’s gut und passt auf Euch auf.
    Liebe Grüße aus Stuttgart
    DMJC

    1. Oh Franzi, du bist einfach ne tolle Frau!!!!
      Und Euer „neuer“ Bus sieht beeindruckend aus. Was so ne Schiffsreise so alles macht!!!😀😀
      Und wenn das mit dem Geburtstag so stimmt, dann, Marko, eine herzlich Umarmung zum Geburtstag, genieße das Leben und lass alles zum Vorschein kommen was in Dir steckt!❤️

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