Monat fünf hat begonnen. Seit mehr als vier Monaten sind wir nun also schon in Swakopmund. Zwischenzeitlich fast unzählige Male dachten wir, jetzt bald geht es weiter. Doch nichts geschah. Das heißt, nicht nichts, nur nicht das, was wir uns als politischen Entscheidungsschritt gewünscht hatten.
Wir warten wieder, diesmal auf Anfang August, wenn der regionale Lockdown hier an der Küste erneut zum Gegenstand der Entscheidung wird. Der Versuch, ein polizeiliches Permit zu bekommen, um die Region zu verlassen, scheiterte an den Auflagen – Covid19-Test für ca. €45 pro Person und 14tägige selbstbezahlte Quarantäne in einer staatlich überwachten Einrichtung. Vielleicht war es gar nicht so schlimm, denn kurz nach unserem Versuch kam eine große winterliche Kältewelle in den südlichen und den zentralen Regionen Namibias, die vor allem nachts die Temperaturen unter null Grad sinken ließ. So dachten wir, ist festsitzen vielleicht doch besser, als festfrieren…

In der Stille des Lockdowns

Dennoch merken wir, dass die Zeit zäh wird. Die Stille, die die Situation mit sich bringt hat zwei Gesichter. Das eine ist das visionäre Gesicht, das aus dem Nichts Ideen entstehen lässt, die uns Menschen voranbringen, uns motivieren, uns weiter entwickeln. Und, das uns Mut macht, alte Pfade zu verlassen und Glaubensmuster loszulassen. Plötzlich sind da Wege für die Zukunft und wir scharren mit den Füßen, werden ungeduldig, wollen starten und … ja und … können nicht ….
Denn da ist noch dieses andere Gesicht der aktuellen Situation: das der Ungewissheit. Und das bremst alles wieder aus. Denn wir wissen nicht, was kommt. Nichts ist planbar, weder unsere Rückkehr nach Deutschland, noch eine Zeitschiene für einen Online-Kurs, noch ein verlässliches Internet in den kommenden Wochen oder gar eine Geburt. Egal, an welchem Punkt wir versuchen, Entscheidungen zu treffen (und sei es auch nur im Kopf), es fühlt sich an, als würden wir uns im Kreis drehen, denn sofort sind da andere lose Enden der Geschichte, die sich nicht verbinden lassen wollen. An manchen Tagen lässt uns das ratlos sein, dann resignieren wir und verlieren Mut und Vertrauen in uns, d.h. meistens ich. Wie im Traum, wenn wir versuchen zu rennen und völlig verzweifeln, weil wir nicht von der Stelle kommen. Wer kennt das nicht.

An anderen Tagen ist es leichter. Dann merken wir, egal was passiert, es wird eine Lösung geben. Ein Baby kann auch hier geboren werden, eine vorläufige Bleibe in unserer aktuell favorisierten Stadt Berlin lässt sich finden, auch kurzfristig, und wenn uns das Fuß fassen doch nicht gelingt, weil wir uns unmittelbar in der Stuttgarter Hamsterrad-Situation wiederfinden, dann verändert sich unser Weg eben wieder. Die Welt ist grad so verrückt, dass in einer Situation wie unserer, das geradlinige Eintreten von Ereignissen nicht zu erwarten sein sollte.

Das Leben geht weiter

Die Jungs nehmen die Situation auch an den schwierigen Tagen leichter – sie nehmen sie so, wie sie ist. Sie vermissen nichts und können mit den fehlenden Reiseimpulsen deutlich besser umgehen, als ich. Ich denke oft, ach hätten sie doch Freunde um sich oder wenigstens wechselnde Orte, dann würde ihre Aufmerksamkeit wieder in verschiedene Richtungen gelenkt und neue, diverse Lerprozesse angeregt. Aber ihre Erwartung ist das gar nicht. Es ist meine eigene, es sind meine Wünsche und Gedanken für mich. Denn wie divers ihre Lernprozesse in ihren derzeit oft virtuellen Welten sind, kann ich gar nicht einschätzen. Und wenn sie in erfüllendem Maß im Austausch miteinander stehen, brauchen sie auch keinen Austausch nach außen.
Aber weil mein Wunsch nach mehr Austausch so groß ist, haben wir unseren Tagesablauf etwas abgewandelt und uns für einen, ich nenne es mal alternativen Vormittag entschieden. Alles geht, außer PC. Gut, es kann auch sein, dass sie dann zusammen ein Hörbuch hören, dann gehe ich “leer” aus, aber einige Vormittage haben wir jetzt schon dafür genutzt, Spiele oder Tischtennis zu spielen, den Hof zu verschönern, zusammen einkaufen zu gehen oder einfach zwei Stunden am Frühstückstisch zu sitzen. Denn außerdem stehen wir wieder früher und gemeinsam auf. Wir waren auf gutem Wege dahin, dass sich unsere Zeiten komplett gegensätzlich verschieben und ich umgeben wäre von lauter Nachteulen. So ein bisschen Struktur haben wir also wieder eingeführt.

Auch haben Marko, Bennett und ich beschlossen, wieder ins Dachzelt umzuziehen. Wir hatten genug vom Jugendherbergsfeeling. Den Jungs ist das nicht so wichtig, deshalb haben wir nun den Luxus, das große Zelt bewohnen zu können und wir schlafen alle drei wieder viel besser.

Geburtstagskreise schließen sich

Was ich natürlich an dieser Stelle nicht unter den Tisch fallen lassen möchte, sind die Geburtstage, die wir feiern durften.
Zuerst war da unser zweiter Weltreisegeburtstag am 30. Juni und dann folgten die Ehrentage von Valentin und Livius. 12 und 14 Jahre sind die beiden jetzt schon bei uns und beide hatten schon zum dritten mal Geburtstag auf der Reise. Kaum zu glauben. Mit Kuchen, Tischtennis und einem Ausflug mit Quads in die Dünen, haben wir gebührend gefeiert.

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